Castellologica bohemica 17



Úvodní Strany (PDF)

Obsah (PDF)

Studie

František Gabriel – Lucie Kursová: Otázky k rozsahu a podobě hradu Skály (Bischofstein)
Jaroslav Panáček: Vykopávky v roce 1833 na hradě u Velenic (okr. Česká Lípa)
Josef Unger – František Kořínek – Pavel Kořínek: Nová zjištění z hradu Kraví Hora u Kuroslep (okr. Třebíč)
David Vích – Tomáš Bek – Miloš Kudrnovský – Josef Švejnoha – Zuzana Vařeková – Renata Veselá: Rekonstrukce hradu v Brandýse nad Orlicí v letech 2013−2016
Zlata Gersdorfová: Sakrální prostory českokrumlovského hradu
Magdalena Biedermanová – Miroslava Cejpová: Příspěvek k poznání topenišť Ludvíkova křídla
Pražského hradu

Vojtěch Večeře: Klášter, nebo hrad? Rezidence litomyšlských biskupů v letech 1344–1421,
její hypotetická rekonstrukce a klasifikace

Jan Boukal: Hospodářská instrukce jako pramen poznání života na hradech na prahu raného novověku
(Na příkladu instrukce pro křivoklátského hejtmana Albrechta z Vřesovic z roku 1528)

Karel Hamberger: Hrad Kynšperk nad Ohří
Dalibor Janiš – Jan Štětina: Historie a stavební vývoj středověkého hradu
a renesančního zámku v Holešově

Petr Kastl: Úloha Nového Herštejnu v česko–bavorském konfliktu
Kateřina Blažková: Tvrz v Pšovlkách (okr. Rakovník). Výzkum vodního příkopu tvrze
František Záruba: Příspěvek k poznání středověké podoby Nového Hradu u Jimlína (okr. Louny)
Josef Hložek – Petr Menšík: Hrad Věžka a jeho odkryv v rekonstruovaných fototabulkách
Václava Uchytila


Konference, pracovní setkání, workshopy

Josef Hložek : Konference Křivoklát 2017(PDF)

Recenze

František Záruba: Lenka Bobková – Tomáš Velička ve spolupráci s Mladou Holou a Janem Zdichyncem:
Jan Zhořelecký, třetí syn Karla IV. Praha 2016.(PDF)
Zlata Gersdorfová: Roman Lavička – Ladislav Čapek – Jiří Fröhlich – Jiří Havlice – Rudolf Krajíc
– Lukáš Reitinger: Královská založení na jihu Čech za vlády posledních Přemyslovců.
České Budějovice 2016.(PDF)
František Záruba: Roman Lavička – Ladislav Čapek – Jiří Fröhlich – Jiří Havlice – Rudolf Krajíc
– Lukáš Reitinger: Královská založení na jihu Čech za vlády posledních Přemyslovců.
České Budějovice 2016.(PDF)

Seznam autorů (PDF)



STUDIE


zpět na obsah
František Gabriel – Lucie Kursová: Otázky k rozsahu a podobě hradu Skály (Bischofstein)/Questions of the Size and Form of Skála (Bischofstein) Castle

(celý článek v PDF)

Abstract: The Eastern Bohemian Skála Castle located in Adršpach-Teplice Rocks belongs to a wide group of manors with not yet formulated questions. The aims of the paper are both criticism of a few current reconstructions of the manor and raising questions after the relict evaluation.

Key words: Castle – Medieval Period – sandstone – model

Resumé: Die Burg Skály (Gemarkung Skály u Teplic nad Metují, Bezirk Náchod) in Ostböhmen, ebenfalls Katschkestein, Katzenstein und in der Neuzeit auch Bischofstein genannt, taucht in den schriftlichen Quellen zum ersten Mal im Jahr 1393 im Prädikat Mathies de Lippa alias de Skala auf. Aus den Informationen in zeitgenössischen schriftlichen Aufzeichnungen geht hervor, dass die Burg in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erbaut und im Jahr 1447 von episodischen Besitzern abgerissen wurde, um danach von den alten und neuen Besitzern repariert oder wiederaufgebaut zu werden. Im Jahr 1544 wird geschrieben, dass die Burg verlassen ist. Irgendwann vor diesem Jahr verlor der Sitz also seine Funktionen. Er wurde im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts durch einen neuen, auf einem Meierhof erbauten Herrensitz ersetzt. Im 17. Jahrhundert gewann das Königgrätzer Bistum den Hof und der Sitz bekam den neuen Namen Bischofstein.
Die Studie behandelt drei Probleme: erstens Veränderungen der Größe und der inneren Struktur der Burg innerhalb eines Zeitraums von eineinhalb Jahrhunderten, zweitens den Wegeplan und drittens die Bebauung der Kernburg. Die Größe des Sitzes wurde vor allem durch die Wahl des Bauplatzes bestimmt. Dieser liegt am südwestlichen Sporn eines Kamms der Felsen Jiráskovy Skály mit hervortretenden Formationen. Der Kamm entstand durch die Abtrennung des Rands einer Sandsteintafel der Oberkreide der Adersbach-Weckelsdorfer Felsen. Für die ungenau bestimmbare Ausdehnung der Burg gibt es zwei Gründe: der Steinabbau sowie Umbauarbeiten in der Romantik und der folgende Tourismus. Mit der Steingewinnung hängen vermutlich ein als Zisterne interpretiertes Objekt und eine Linie an der Westseite zusammen, die als Graben mit Wall betrachtet wird, welcher vermutlich bei der Steingewinnung als Abhang zum Transport diente. Die einzigen belegbaren Grenzen der Burganlage sind Mauerreste, die nur im Norden und Nordwesten unter der Oberburg zu finden sind.
Es kann davon ausgegangen werden, dass der Zugangsweg zur Burg aus Richtung Stárkov verlief und das nördliche Tal mit durchfeuchtetem Boden und Quellgebiet durchquerte. Von dort führte er weiter über den festen Untergrund des nördlichen Kammausläufers und stieg zu Felsblock A an, wo das Tor vermutet wird. Er verlief dann ansteigend am Fuß von Fels B bis zum Eingang des oberen Burgteils bei Fels C.
Bebauung kann vor allem im oberen Teil der Burg festgestellt werden. Dieser Teil wird durch von Fels C abgebrochene Felsblöcke in einen westlichen und einen östlichen Bereich geteilt. Bebauung kann im östlichen Teil bei Fels D festgestellt werden. Es sind nur die Schräge des Treppenhauses und einige Balkenlöcher erhalten. Der Bau ragte an der nördlichen und westlichen Seite über die Mauer der oberen Burg hinaus. Diese Mauer liegt an der südlichen und östlichen Seite an den Fels an. Sie ist am Hang in südlicher Richtung erhalten, wo sie vermutlich nach Osten abbog und zum Rest der Bebauung unter Fels B verlief. Auf der Nordseite setzte sich die Mauer zwischen den Felsen D und C fort. Im östlichen Teil der oberen Burg belegen Relikte eine umfangreichere Bebauung. Es gibt zwei Varianten ihrer Anordnung mit einer Reihe von Untervarianten. Die erste nimmt ein mehrteiliges Haus mit zwei Trakten an, das den gesamten Ostteil der oberen Burg von der nördlichen zur südlichen Mauer und von der westlichen Wand des höheren Teils von Fels B bis hinter die heutige Westwand von Fels C einnahm. Es war vom unteren Burgbereich über ein Portal zugänglich, welches sich östlich unter Fels C befand. Nach dieser Variante diente die Unterburg als Hof, von dem das Hauptgebäude erreicht werden konnte. Dahinter lagen auf der westlichen Seite laut diesem Modell nur Nebengebäude der Burg.
In der zweiten Variante wird angenommen, dass der Zugang von der unteren Burg auf einen Hof führte, der den gesamten östlichen und westlichen Teil der Oberburg einnahm. Dieser Hof war an den Felsen und der Mauer von Häusern mit einem Trakt umgeben. Heute können nur archäologische Untersuchungen entscheiden, welches der beiden Modelle der Wirklichkeit entspricht.
Ohne Zweifel wurden auch die Plateaus der Felsen C und B baulich genutzt. Ein Zugang zum Plateau von Fels C wird durch eine in den Fels geschlagene schräge Rampe am oberen östlichen Rand belegt. Über die Bebauung von Fels B, eventuell einen Turm, weiß man, dass der heutige Weg auf das Plateau erst nach dem Untergang der Burg entstand. Er ersetzte einen älteren Zugang, der von einer Pawlatsche an der Nordwand über eine Balkentreppe und einen in den Fels geschlagenen schrägen Gang bis in das untere Stockwerk des Gebäudes führte. Hier treffen der gegenwärtige und der vertikale mittelalterliche Weg aufeinander. Das Stockwerk wird durch Mauerwerk begrenzt, auf dem Fachwerk aufsaß.
Wir erwägen in unserem Modell, ob die Burg eine Vor- und Kernburg besaß, oder eine Kernburg und Nebengebäude. In jedem Fall handelte es sich um eine zweiteilige Burg mit Palas, einem Turm auf Fels B und zwei weiteren Gebäuden auf den Felsen C und D. Die richtige Einordnung dieses bemerkenswerten Sitzes vom Ende des 14. oder eher vom Anfang des 15. Jahrhunderts in die Typologie des böhmischen Burgenbaus bleibt also eine der Hauptfragen, welche er aufwirft.




zpět na obsah
Jaroslav Panáček: Vykopávky v roce 1833 na hradě u Velenic (okr. Česká Lípa)/ The Excavation of Velenice Castle (Česká Lípa district) in 1833

(celý článek v PDF)

Abstract: According to an archival entry from 1833, two Velenice villagers conducted excavation at the castle near their village. The majority of finds consists of metal artefacts. The excavation site was later identified as Velenice 01, located approx. 500m northwest of the Church of Trinity in Velenice. The excavation had been conducted in the upper part of sloping promontory, where the foundation of an oblong building had been evident. The question remains what the original function of the site was since the absence of decent fortification does not indicate a fortified manor.

Keywords: castle – excavation – fortified manor – site function – Velenice

Resumé: Im März und April des Jahres 1833 führten zwei Dorfbewohner aus Velenice Ausgrabungen an einer „Burg“ unweit ihrer Gemeinde durch, um „wertvolle Dinge zu finden“. Ein Bericht über ihre Unternehmung ist im Archiv des Schlosses Sloup erhalten. Dieser ist dank dem Stadtschreiber aus Nový Bor und Gründer des Stadtmuseums Karl Würfel (1862–1945) als Abschrift in der Sammlung des Archivs der Stadt Nový Bor im heutigen Staatlichen Bezirksarchiv (Státní okresní archiv) in Česká Lípa unter der Inventarnummer 1770 erhalten. Den größten Teil der im Bericht erwähnten Funde bilden Eisengegenstände (Militaria, Landwirtschaftsgeräte und Teile von Wirtschaftsanlagen). Die Stelle, an der die Finder ihre Ausgrabungen durchführten, wurde als Velenice 01 identifiziert, welche ungefähr 500 m nordwestlich der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Velenice liegt (Gabriel – Panáček 2000, 142–143). Die Ausgrabungen wurden im oberen Teil eines abfallenden Felssporns durchgeführt, wo damals noch das Fundament eines rechteckigen Gebäudes erkennbar war (Paudler 1892, 244). Vermutlich als Folge dieser Ausgrabungen wurden bei der Vermessung der Stätte im Jahr 1987 keine oberirdischen Relikte dieses Objekts gefunden. Im unteren Teil der Stätte steht südöstlich des Objekts bis heute das bröckelnde Mauerwerk eines turmartigen Gebäudes. An beiden genannten Stellen kann viel Hüttenlehm gefunden werden, was darauf hindeutet, dass die dortigen Block- oder Fachwerkgebäude bei einem Brand zerstört wurden. Bei wiederholten Sammelaktionen konnten jedoch nur sehr kleine Mengen an Keramik gefunden werden, leider nur kleine Scherben und keine Ränder, die eine Datierung ermöglichen würden. Es ist offen, welchem Zweck die untersuchte Stätte diente. Ein angedeuteter, jedoch nicht fertiggestellter Graben und das Fehlen weiterer Befestigungsspuren deuten eher nicht auf einen befestigten Sitz hin. Eventuell kann in Erwägung gezogen werden, dass es sich nur um einen unbefestigten Dorfsitz oder einen Zufluchtsort handelte. Hiergegen spricht jedoch die Menge gefundener Militaria. Eine Klärung dieser Frage bleibt daher die Aufgabe zukünftiger Forschungen.



zpět na obsah


Josef Unger – František Kořínek – Pavel Kořínek: Nová zjištění z hradu Kraví Hora u Kuroslep (okr. Třebíč)/ New Findings from Kraví Hora Castle near Kuroslepy (Třebíč District)

(celý článek v PDF)

Abstract: The surface survey of the castle, with its origin placed to the 14th century, revealed previously unknown bailey together with a whole range of artefacts connected to human presence at this site. Moreover, the original entrance to the castle was found with a drawbridge and a trou de loup (wolf hole). Furthermore, the accuracy of overall floor plan of the castle was improved.

Key words: castle – Medieval Period – bailey – surface survey – material culture

Resumé: Die bekannte Burg Kraví Hora besitzt einen mächtigen Rundturm an ihrer Stirnseite und einen fast quadratischen Grundriss. In den schriftlichen Quellen taucht sie zum ersten Mal im Jahr 1367 auf. Die Burg wurde im Jahr 1409 erobert und vielleicht noch einmal danach, denn sie war am Anfang der 40. Jahre des 15. Jahrhunderts bereits verlassen. Die Detektoruntersuchungen konzentrierten sich auf mehrere Bereiche, die auf dem Arbeitsplan mit den Nummern 1 bis 4 gekennzeichnet sind. Es ging besonders um ein Areal im Nordwesten der Burg auf einem Felssporn mit ungefähr dreieckiger Fläche mit einer Grundseite von 40 bis 60 m und einer Höhe von 100 m. Dieses Areal wird als Vorburg bezeichnet. Ein Problem stellt jedoch seine Interpretation dar, denn es könnte sich sowohl um eine wirtschaftliche Vorburg gehandelt haben als auch um den Sitz einer Räuberbande oder den Lagerplatz von Belagerern. Außerdem hat sich seine Funktion im Laufe der Zeit eventuell verändert. Die Kampfhandlungen im Jahr 1409 verschonten dieses Areal wahrscheinlich nicht. Daher können wir nach dem heutigen Erkenntnisstand weiterreichende Aktivitäten in der Vorburg eher auf den Umbruch vom 14. zum 15. Jahrhundert datieren als auf die Zeit danach. Weiterhin konzentrierten sich die Untersuchungen auf einen Bereich zwischen der Vorburg und der eigentlichen Burg, durch den der Zugangsweg führte. Aufmerksamkeit verdient das mächtige Vortor, dass vermutlich mit der Verbesserung der Verteidigungskraft der Burg vor einer Belagerung in Zusammenhang steht. Auf der Außenseite der Burgmauer, die auf der nordwestlichen Seite das Burgareal begrenzt, wurde ein Schacht für die Zugbrücke mit einer Fläche von 250x200 cm, eine sogenannte Wolfsgrube, gefunden. Gegenüber dem Burgeingang wurde der Graben untersucht, der an dieser Stelle 12,2 bis 13 m breit war und heute eine Tiefe von 3,5 m erreicht. Östlich des Tors sind im Gelände in einer Entfernung von 150 m Reste eines Steinbruchs erkennbar, in dem bei der Erbauung der Burg Steine gewonnen worden sein könnten. Im Burgareal wurden Eingriffe in das Gelände festgestellt, die den Zugang für Wanderer verbessern sollen. Diese Eingriffe beeinflussten auch die ursprüngliche gezeichnete Rekonstruktion der Burg und wurden deshalb in der überarbeiteten Rekonstruktion übergangen. Aus den vorgestellten Ergebnissen zeigt sich, dass eine wenige Tage dauernde, professionell vorbereitete, zerstörungsfrei angelegte Feldstudie zusammen mit den dokumentierten Detektoruntersuchungen zahlreiche neue Erkenntnisse bringen kann, welche in diesem Fall halfen, die Geschichte der untersuchten Burg zu präzisieren.



zpět na obsah


David Vích – Tomáš Bek – Miloš Kudrnovský – Josef Švejnoha – Zuzana Vařeková – Renata Veselá: Rekonstrukce hradu v Brandýse nad Orlicí v letech 2013−2016/The Reconstruction of Brandýs nad Orlicí Castle in 2013–2016

(celý článek v PDF)

Abstract: After preparation conducted before 2013, rescue work begun at Brandýs nad Orlicí Castle, founded at the end of the 13th century with the archaeological excavation taking place at the same stage. Trenches placed into rubble cones in front of the southern perimeter wall proved thickness of the rubble cones which have been created by the disintegration of the castle during the last two centuries. Archaeologically uncovered walls thereafter served to as base for fixing the wall torso.

Key words: Brandýs nad Orlicí – castle – the High Middle Ages – rescue excavation

Resumé: Über der Kleinstadt Brandýs nad Orlicí (Bezirk Ústí nad Orlicí, Kreis Pardubický kraj, Tschechische Republik, Abb. 1) erheben sich Überreste einer Burg (Abb. 2), die bisher archäologisch nicht erforscht wurde. Im Jahr 2013 begannen weitreichende Reparaturarbeiten an der Burg sowie mit diesen zusammenhängende archäologische Rettungsgrabungen, da sich die Burg in desolatem Zustand befand. Die Burg wurde gegen Ende des 13. Jahrhunderts gegründet. Ihre erste zweifelsfreie Erwähnung stammt aus dem Jahr 1298. Nach Oldřich z Brandýsa und den Herren von Boskovice besaßen die Kostka z Postupic die Burg und ließen sie um die Mitte des 16. Jahrhunderts erneuern. Nach der Sicherung der Gewölbe in den Burgkellern folgte die statische Sicherung der Außenmauern (2013–2017). Das Hauptziel der Saison 2013 war die Festigung eines instabilen Mauertorsos, der an der Südseite der Kernburg, dem sogenannten Turm, aus der Burgmauer hervortritt. Es zeigte sich, dass dieser Torso nur durch eine Rückführung auf seinen Zustand im 20. Jahrhundert (Abb. 4) erhalten und stabilisiert werden kann. Das zukünftige Aussehen der stabilisierten und ergänzten Konstruktion wurde in einem virtuellen 3D-Modell überprüft (Abb. 5).
Die Stabilisierung der Konstruktion wurde vor allem durch die Reparatur der Maueraußenseite und eine Erneuerung der südwestlichen Ecke erreicht. Bei der eigentlichen Durchführung der Arbeiten wurden zeitgenössische Materialien und Methoden nachgeahmt, die auf Fotos festgehalten wurden (Abb. 6). Während der Vorbereitungsarbeiten und des Beginns der archäologischen Untersuchungen wurde ein Laserscan durchgeführt (Abb. 7, 8). Die archäologischen Untersuchungen im Jahr 2013 bestanden aus drei Sonden (1-3/2013), um die Einsturzkegel zu untersuchen (nach einer ikonographischen Quelle aus dem Jahr 1797, Abb. 9, lag der untersuchte Bereich wesentlich höher als am Ende des 18. Jahrhunderts), sowie um Informationen über Risse in der Außenmauer zu erhalten und etwas über den Verlauf eventuell unter dem Geländeniveau verborgener Mauern zu erfahren. Das freigelegte Mauerwerk wurde fotogrammetrisch dokumentiert (Abb. 10). Die archäologischen Untersuchungen in den Jahren 2014–2016 beschränkten sich im Wesentlichen auf die Beobachtung nötiger Eingriffe zur Freilegung der Mauerkronen. Während der Jahre 2013–2017 konnten die Außenmauern schrittweise stabilisiert und vor allem der Rest eines Baus gerettet werden, der aus der Linie der südlichen Außenmauer, dem sogenannten Turm, hervortritt. Die archäologischen Sonden (Abb. 11–14) präzisierten die Annahmen über die Größe der Einsturzkegel, welche ein Minimum an Funden beinhalteten (Abb. 15).



zpět na obsah


Zlata Gersdorfová: Sakrální prostory českokrumlovského hradu/Sacral Space of Český Krumlov Castle

(celý článek v PDF)

Abstract: The paper focuses on sacral space of Český Krumlov Castle from the time of its foundation to the outbreak of the Hussite Wars. Sacral space is not only defined as consecrated premises, but also as place sacred by its commission and purpose. Two known castle chapels are discussed as well as other premises such as the so called Romanesque chamber. The paper focuses on both style analysis and dating of the castle‘s sacral space origin.

Klíčová slova: Český Krumlov – palace – sacral space – chapel

Resumé: Diese Studie befasst sich mit den sakralen Anlagen der Burg in Český Krumlov. Sie konzentriert sich dabei besonders auf den Zeitraum zwischen der Erbauung der Burg und dem Ausbruch der Hussitenkriege. Behandelt werden nicht nur die zwei bekannten Burgkapellen, sondern auch weitere Anlagen, die nicht geweiht sein mussten, aber den Zweck eines sakralen Ortes ebenfalls erfüllten oder erfüllt haben könnten. Die Studie beschäftigt sich deshalb besonders mit der Datierung und Funktion der sogenannten Romanischen Kammer. In der Einführung wird allgemein die Literatur zum Thema zusammengefasst, danach werden einzelne sakrale Anlagen analysiert. Aufmerksamkeit wird den schriftlichen Quellen und der baugeschichtlichen sowie kunsthistorischen Analyse der Anlagen gewidmet. Zum Schluss wird vorgeschlagen, die kleine Kapelle unbekannter Weihung (heilige Katharina?) bereits auf das dritte Viertel des 14. Jahrhunderts zu datieren. Die Annahme, dass die Entstehung ihres Gewölbes mit dem Gewölbe der jüngeren, wohl erst am Anfang des 15. Jahrhunderts entstandenen Romanischen Kammer zusammenhängen könnte, wird abgelehnt. Den Zeitpunkt ante quem für die Entstehung des Gewölbes der Romanischen Kammer liefert das Burginventar aus dem Jahr 1418, welches oft immer noch falsch für eine Auflistung der Wertsachen des Klosters Zlatá Koruna gehalten wird. Zugleich wird die These abgelehnt, dass die kleine Kapelle als „Saint Chapelle“ diente und man dort dauerhaft mit dem Leiden und Sterben Christi verbundene Reliquien aufbewahrte, welche alljährlich bei der Reliquienfeier in Český Krumlov gezeigt wurden. Die Romanische Kammer diente als Tresor zur Aufbewahrung von Wertsachen und allgemein von Raritäten. Aufgrund der stückhaften schriftlichen Evidenz können jedoch keine genaueren Aussagen darüber gemacht werden, inwieweit die Burgkapellen für die breitere Öffentlichkeit während der liturgischen Feiern in der Stadt zugänglich waren, wie in einigen Ablassbriefen erwähnt wird, oder wie der liturgische Betrieb in den sakralen Burganlagen ablief.



zpět na obsah


Magdalena Biedermanová – Miroslava Cejpová: Příspěvek k poznání topenišť Ludvíkova křídla Pražského hradu/Contribution to Knowledge of Fireboxes of Louis‘ Wing in Prague Castle

(celý článek v PDF)

Abstract: The introductory part of the paper consists of the basic description of Louis‘ Wing focused on disposition and communication scheme. In the following part, results of fireboxes‘ analyses are described in detail as well as premises used for tilled stoves service with emphasis on two fireboxes from the second half of the 16th century, designed for slow and regulated cooking or warming, often referred to as “ember cooking”.

Keywords: Castle – the Old Royal Palace – Louis‘ Wing – tilled stove – fireplace, kitchen – firebox

Resumé: Ludwigsflügel entstand bei umfangreichen Umbauarbeiten der Prager Burg unter Vladislav II. Zu Ausgang des 15. und Beginn des 16. Jahrhunderts. Fertiggestellt wurde er wohl kurz nach dem Jahr 1510. Der Flügel wurde an die Südseite des westlichen Teils des Königlichen Palasts angebaut und nahm die Zwingermauer ein, für seinen Südteil wurde eine bestehende vierseitige Bastei genutzt. Die Grundfläche des Flügels hat die Form eines schwach ausgeprägten „L“, wobei der Ausläufer aus der rechteckigen Fläche auf der nordwestlichen Seite liegt. In dieser Verbreiterung befindet sich ab dem vierten Stockwerk eine große, repräsentative Wendeltreppe. In seiner heutigen Form besitzt der Ludwigsflügel fünf Stockwerke. Ursprünglich war er noch um ein Stockwerk höher, dieses wurde erst im Jahr 1768 abgerissen. Alle Stockwerke haben einen Nordtrakt, wobei die Mauerdicke zwischen diesem Trakt und den anderen Gebäudeteilen in den einzelnen Stockwerken unterschiedlich ist. Das dritte, vierte und fünfte Stockwerk haben außerdem einen Mitteltrakt. Diese Stockwerke waren bewohnt. Bei Renaissance-Umbauarbeiten nach einem Brand im Jahr 1541 wurden in den Nordtrakt des vierten und fünften Stockwerks Zwischenstöcke eingezogen, die mit den Treppenabsätzen der zweiarmigen Treppen verbunden wurden. Der Südteil des ersten bis vierten Stocks ist vom Rest des Gebäudes abgegrenzt (im ersten Stock durch die Höhe des Gewölbes, in den anderen durch eine Mauer). Im ersten und zweiten Stockwerk nimmt der abgeteilte Südbereich nur den Teil des Flügels ein, der über den Zwinger hinausragt und wahrscheinlich der Zwingerbastei entspricht, die mit dem Ludwigsflügel verschmolzen wurde. Die Disposition des abgerissenen sechsten Stockwerks ist unbekannt. Beheizt waren die Wohnsäle mit Ausnahme des südlichen Saals im dritten Stock. Der erste Stock des Ludwigsflügels war nur über den alten Palast auf der Höhe des romanischen Geschosses zugänglich und diente als Keller- und Lagerraum. Das zweite Stockwerk ist in zwei gegenseitig nicht zugängliche Teile gegliedert. Der nördliche und der mittlere Teil sind vom dritten Stock aus über eine Treppe im nördlichen Raum erreichbar, der abgetrennte Südteil von Osten und Westen über die ehemalige Zwingermauer. Der unbeheizte Mittelteil diente wahrscheinlich als Lagerraum. Die oberen Stockwerke des Flügels waren über mehrere Treppen verbunden. In der östlichen Hälfte des Mitteltrakts der erhaltenen oberen drei Stockwerke befindet sich eine zweiarmige Treppe, über die auch die beiden jüngeren Zwischenstockwerke erreichbar sind. Die Treppe endete ursprünglich im fünften Stock, seit jüngeren Umbauarbeiten führt sie nur noch bis in den Zwischenstock im vierten Stockwerk. Das zweite und dritteStockwerk sind durch eine Treppe verbunden, die im östlichen Teil des Nordtrakts des zweiten Stockwerks beginnt und in den Mitteltrakt des dritten Stockwerks mündet. Dies ist zugleich der einzige Zugang zum Nordteil des zweiten Stocks. Die Wohnräume im dritten, vierten und fünften Stock waren durch eine private Schneckentreppe in der südöstlichen Palastecke verbunden. Die große, repräsentative Wendeltreppe ist eine von drei Wendeltreppen, die den Zugang zum Außengang über den Fenstern des Vladislavsaals ermöglichte. Die Treppe beginnt im vierten Stockwerk und führt zu den repräsentativen Bereichen des Ludwigsflügels. In ihrer Außenwand befindet sich ein Portal in den fünften Stock, in dessen Zwischenstock sie heute endet. Es ist umstritten, ob der heutige Zugang von der Treppe in den vierten und fünften Stock ursprünglich ist. Der Ludwigsflügel wurde als Wohnflügel erbaut. Er wurde auch noch nach dem katastrophalen Brand der Burg im Jahr 1541 zu Wohnzwecken genutzt. Irgendwann zwischen den Jahren 1543–1576 übernahm die böhmische Statthalterschaft den dritten und vierten Stock. Das königliche Esszimmer befand sich noch im Jahr 1620 im fünften Stock. In den Jahren 1620–1679 wurde das Esszimmer verlegt und die Reichskanzlei nahm seinen Platz ein. Die hier beschriebenen Feuerstätten, Öfen und Kamine befanden sich in den Wohnstockwerken. Zusätzlich wurde in den nordwestlichen Teil des Mittelbereichs des zweiten Stocks in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Kulisse ein brauner klassizistischer Kachelofen aus dem Ende des 18. bis erste Hälfte des 19. Jahrhunderts eingebaut. Der Sockel dieses Ofens hat eine rechteckige Grundfläche mit Maßen von 148x173 cm. Als der Flügel erbaut wurde, war der nördliche Raum des dritten Stocks mit dem südwestlichen Bereich des gotischen Palastgeschosses verbunden. Die ursprüngliche Außenmauer wurde durchbrochen und es wurden zwei spitzbogige, behauene Arkaden eingebaut. Zwischen den Arkaden steht ein Pfeiler, an dessen Nordseite sich ein Kamin befand. Die hintere Ziegelmauer dieses Kamins ist erhalten. Über dem Kamin befand sich im vierten Stockwerk ein weiterer Kamin im Vladislavsaal. Die beiden Kamine hatten einen gemeinsamen Schornstein. Auf der Westseite des Mittelbereichs befindet sich ein Raum, von dem aus der Ofen im Saal befeuert wurde. Es sind eine Einfeuerungsöffnung und über dieser eine Rauchabzugsöffnung erhalten. An die Einfeuerungsöffnung wurden später eine Kochfeuerstelle angeschlossen, über der sich zwei Rauchfänge befanden, wobei der ältere fast restlos verschwunden ist. Für die Küche wurde unter dem Fenster ein Ausguss installiert, der nach der Beendigung des Küchenbetriebs in einen Aborterker umgewandelt wurde. Im Mittelsaal steht ein dreistufiger, quaderförmiger Rokoko‑Kachelofen mit Maßen von 214x144 cm auf einem gemauerten, verputzten Sockel. Der Ofen wird durch einen Oberbau mit Vase abgeschlossen. In seinem Inneren ist ein U-förmiger Eisenkorb erhalten, der die Kacheln bei der Befeuerung vor Beschädigungen schützen sollte. Der Korb besteht aus zwei waagerechten Bändern mit Öffnungen, durch die senkrechte Stäbe gezogen sind. Der Korb durchzieht den Ofen selbst sowie das Verbindungsstück bis zur Wand. Die senkrechten Stäbe sind vierkantig, im unteren Teil angespitzt, im oberen Teil bis auf 4 Stangen flachgehämmert, der so entstandene flache Abschnitt ragt in den Ofen hinein. Die Stangen sind unterschiedlich lang, sie reichen ungefähr bis in die Höhe des Sims zwischen dem unteren und mittleren Teil des Ofens. In den Ecken des Korbs befinden sich zwei längere nicht flachgehämmerte Stäbe mit größerem Durchmesser. In ihrem unteren und oberen Abschnitt befinden sich je zwei Öffnungen, in denen die waagerechten Bänder befestigt sind, die seitlichen in der Nähe des Rands und die hinteren Bänder näher der Mitte des Stabs. Ungefähr in der Mitte der längeren Seiten des Korbs befinden sich zwei weitere nicht flachgehämmerte, nicht umgebogene Stäbe von größerer Länge als die anderen. In ihrem unteren Abschnitt befindet sich eine Arretierung, auf die das waagerechte Band gestützt ist, wohl um Verbiegungen zu verhindern. Der Ofen wurde mindestens zweimal repariert, wobei seine Form und Größe verändert wurden. Der vierte Stock, der sich auf Höhe des Vladislavsaals befand, war der Repräsentativbereich des Ludwigsflügels. Das nördliche Zimmer war ursprünglich so hoch wie die Säle im dritten Trakt, besaß ein Rippengewölbe und ein dazu passendes Kreuzfenster zur Beleuchtung. In der Nordwand, d.h. in der Wand zwischen dem Vladislavsaal und dem Ludwigsflügel, befand sich ein Kamin. Dieser war im Vergleich zum Kamin im Saal, mit dem er sich einen Schornstein teilte, leicht in östliche Richtung verschoben. Als nach dem Brand im Jahr 1541 in diesen Bereich ein Zwischenstock eingezogen wurde (welcher mit dem Absatz der zweiarmigen Treppe verbunden war), wurde der Kamin abgerissen. An seinem Standort wurde eine Nische mit Maßen von 60x138 cm errichtet, in die nach einiger Zeit eine Feuerstätte gebaut wurde. Als diese Feuerstätte nicht mehr genutzt wurde, wurde die Nische samt Torso der Feuerstätte zugemauert. Sie wurde bei einer Sonde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts freigelegt. Die Feuerstätte unterscheidet sich von der Feuerstätte im Befeuerungsraum des fünften Stocks nur in einzelnen Details. Ihre Höhe über dem heutigen Fußboden beträgt 60 cm. Vollkommen ist sie nur im hinteren Teil erhalten, ihr Vorderteil wurde eingerissen. Sie enthält drei symmetrisch angeordnete senkrechte Heizschachte, im unteren Bereich der Vorderseite waren Bedienungsöffnungen angebracht. Die Schachtwände, Oberfläche und Vorderseite waren verputzt. Die Feuerstelle wurde aus Ziegeln und Kalkmörtel errichtet und benötigte keinen Rauchfang in den Schornstein. Den Westteil des Mitteltrakts nahm ein Raum ein, von dem aus der Ofen im großen Saal befeuert wurde. In der südwestlichen Ecke des Raums tritt der Schornstein aus dem dritten Stockwerk befindet sich ein Zwischenstock. Seine ursprüngliche Disposition ist wegen Veränderungen und Umbauarbeiten in der Renaissance und in späterer Zeit unklar. Neben der Mündung der großen Wendeltreppe befinden sich hier zwei Räume, in die bei den Umbauarbeiten an der Burg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zwei klassizistische Kachelöfen eingefügt wurden. Der eine befand sich in einem Raum, der ursprünglich nicht beheizt war, der andere steht neben einem Raum, der zur Befeuerung des Ofens diente. In der Ostwand dieses Raums befindet sich eine flache Nische mit zugemauerter Befeuerungsöffnung und einer Öffnung für den Rauchabzug. Der Befeuerungsraum ist mit einem Rauchfang überwölbt, der in den Schornstein mündet. Der Raum ist nicht an den Schornstein der Kammern aus den unteren Stockwerken angebunden, er scheint daher erst zusätzlich bei Umbauarbeiten dieses Bereichs entstanden zu sein. Unter dem Westfenster befindet sich eine Steinrinne auf einem niedrigen Sockel. Diese verläuft durch die Wand und tritt an der westlichen Fassade hervor. Bei den Untersuchungen der Feuerstätten im Ludwigsflügel konnten nicht nur interessante Informationen über die Konstruktion der Feuerstätten und Kachelöfen gewonnen, sondern auch unser Wissen um den Betrieb des Palasts erweitert werden. Den interessantesten Fund stellen zwei Feuerstätten dar, die im vierten und fünften Stockwerk des Ludwigsflügels erhalten geblieben sind. In der französischen Literatur wird der untersuchte Typ „fourneau“ oder „potager“ genannt. Diese bezeichnen im jüngeren Kontext einen Herd. Bei den untersuchten Feuerstätten handelt es sich offenbar auch bezüglich der Konstruktion um Vorläufer des Herdes. Es geht um eine niedrigere Konstruktion direkt an der Wand, die durch ein Paar Öffnungen in der oberen und vorderen Fläche und ein Metallgitter in der Mitte bestimmt wird. Wie eine solche Feuerstätte funktionierte, wird zum Beispiel auf dem Stich einer Küche in der „Opera“ des italienischen Kochs Bartolomeo Scappi dargestellt. Die meisten Forscher sind der
Meinung, dass die Feuerstätten zum Kochen und Aufwärmen auf Kohle dienten. Glühende Kohlen wurden in eine Öffnung gefüllt, welche offenbar mit einem Gitter ausgestattet war. Darauf wurde ein Topf gestellt, der in der oberen Öffnung saß. Die Kohlen saugten Luft durch die untere Öffnung und brannten langsam durch. Hier bietet sich der Gedanke an, dass die Wärme durch eine Abdeckung der vorderen Öffnung reguliert worden sein könnte. Diese konnte bisher noch nicht durch Quellen belegt werden, experimentelle Überprüfungen zeigen jedoch, dass diese Konstruktion vollkommen funktionsfähig wäre. In jedem Fall ging es um einen langsamen Kochprozess, d.h. längere Zeit bei niedrigerer Temperatur. Der Ursprung dieses Feuerstättentyps kann wohl nicht völlig eindeutig identifiziert werden. Da es sich um eine nicht fest mit dem Gebäude verbundene Konstruktion kleineren Ausmaßes handelt, bei der keine direkte Abführung der Rauchgase nötig ist, ist sie nach einem Abriss praktisch nicht mehr nachweisbar. Französische Autoren sehen ihren Ursprung im Hochmittelalter und leiten ihre Herkunft von „Laboratorherden“ ab, die zur Herstellung von Medizin und zur Destillation dienten. Mit einiger Vorsicht kann vermutet werden, dass besonders die Renaissance zu ihrer Verbreitung beitrug. Im Ausland ist eine kleine Zahl dieses Feuerstättentyps erhalten, in der Tschechischen Republik ist neben der Prager Burg nur die Feuerstätte in der Barockküche der Burg Buchlov bekannt, deren Alter bisher nicht bestimmt wurde. Die beiden im Ludwigsflügel erhaltenen Feuerstätten dienten zweifellos zur Versorgung des benachbarten Saals. Was den fünften Stock betrifft, so stammt die erste Erwähnung einer konkreten Bestimmung des Saals aus dem Jahr 1543, wo er als königliches Esszimmer aufgeführt wird. Ein Esszimmer setzte eine gute Verbindung zur Küche voraus, damit das Essen auf dem Weg von der Küche nicht erkaltete. Westlich des Ludwigsflügels befanden sich die ältesten bekannten Burgküchen, die spätestens unter Vladislav II. erbaut worden waren. Sie waren mit dem alten Palast über einen Gang auf der romanisch-gotischen inneren Mauer verbunden. Obwohl heute nicht klar ist, wie dieser Gang an die Räumlichkeiten des Flügels angeschlossen war, kann davon ausgegangen werden, dass das Esszimmer in dem Stockwerk eingerichtet wurde, das dem Gang am nächsten war. Da die Feuerstätte außerhalb der Küche, die Platz für die Zubereitung eines kompletten Essens bot, und im Raum neben dem Esszimmer lag, war sie wahrscheinlich dazu bestimmt, das Essen vor dem Servieren auf optimale Temperatur zu bringen. Der Befund in der Kammer, die mit großer Wahrscheinlichkeit vom Brand 1541 betroffen war, weist eher auf eine nachträgliche Anlage der Feuerstätte in der Fensternische hin. Eine sicherere Grundlage für die Datierung haben wir bei der Feuerstätte im vierten Stockwerk, da die Nische, in der sie angelegt war, erst bei den Umbauarbeiten nach dem Brand 1541 entstand. Als der gesamte Flügel bewohnt war, diente das Esszimmer zur Einnahme der Mahlzeiten. Es kann also angenommen werden, dass in diesem Stockwerk erst nach der Einrichtung der Statthalterkanzlei Essen aufgewärmt werden musste. Nicht erklärt werden kann bisher die Anlage einer Feuerstätte im nördlichen Raum des vierten Stockwerks. Hier hätte sie in der Fensternische des Raums angelegt werden können, der zur Ofenbefeuerung diente, also an der gleichen Stelle wie im Stockwerk darüber. Kurz nach der Erbauung des Flügels wurde ebenfalls im dritten Stockwerk eine Kochfeuerstätte mit Rauchfang eingerichtet. Auch in diesem Fall hängt dies wohl mit der Umwandlung der ursprünglichen Wohnräume in die Kanzlei zusammen. Warum hier eine kleine Küche eingerichtet wurde, wissen wir nicht. Falls sie schon von Beginn an über einen Ausguss (später zum Abort umgebaut) verfügte, kann eventuell angenommen werden, dass hier Essen gekocht und nicht nur aufgewärmt wurde. Auch in diesem Fall gibt es nur wenige verlässliche Informationen. Bei weiteren Untersuchungen muss ebenfalls in Betracht gezogen werden, ob die unterschiedlichen Typen von Feuerstätten gesellschaftliche Unterschiede zwischen den Personen widerspiegeln könnten, für welche sie bestimmt waren.



zpět na obsah


Vojtěch Večeře: Klášter, nebo hrad? Rezidence litomyšlských biskupů v letech 1344–1421, její hypotetická rekonstrukce a klasifikace/A Monastery or a Castle? The Residence of the Archbishops of Litomyšl in 1344–1421, Its Hypothetical Reconstruction and Classification

(celý článek v PDF)

AbstraktIn 1344, a new bishopric was founded in Litomyšl which effectively functioned until the Hussite conquest in 1421 with the local Premonstratensian convent serving as its property and personal base. The monastery complex at the Litoměřice hillock had started serving as an episcopal manor in the half of the 14th century because of which it was systematically rebuilt and modified. The paper focuses on the options of this fortified site’s reconstruction and its classification.

Keywords: Litomyšl – castle – monastery – bishopric – cathedral – 1344–1421

ResuméIm Jahr 1344 wurde in Litomyšl ein neues Bistum gegründet. Dieses bestand faktisch bis zur Eroberung der Stadt durch Hussiten im Jahr 1421, seine Besitz- und Personalgrundlage bildete das Prämonstratenser-Konvent in Litomyšl. Der Klosterkomplex auf der Anhöhe von Litomyšl wurde seit der Mitte des 14. Jahrhunderts als Bischofssitz genutzt und deshalb systematisch umgebaut. Die Studie beschäftigt sich mit dem Aussehen und Charakter dieses befestigten Komplexes in seiner Zeit als Bischofssitz. In der ersten Hälfte des Textes wird die Bebauung des Bischofsitzes hypothetisch rekonstruiert. Es wird versucht, die archäologisch belegten oder in Quellen erwähnten Objekte zu lokalisieren und zu beschreiben – die Kathedrale der Jungfrau Maria, die alten Prämonstratensergebäude, die Paläste, Tore und das Mauersystem. Unzureichende Quellen und mangelndes archäologisches Material machen eine genaue Rekonstruktion der hochmittelalterlichen Bebauung der Litomyšler Anhöhe jedoch unmöglich.
Den zweiten Teil der Studie bilden Überlegungen zur typologischen Einordnung des beschriebenen Areals. Es wird in Frage gestellt, ob wir den Bischofssitz von Litomyšl als Burg bezeichnen können, wie es in der älteren Literatur oft der Fall ist. In diesem Teil der Studie wird auf der Grundlage einer skizzenhaften Komparation einzelner spezifischer Merkmale des untersuchten Sitzes und anderer zeitgenössischer befestigter Anlagen gearbeitet. Zugleich befasst sich der Autor mit der methodologischen Frage, wie der Begriff „Burg“ definiert werden kann. Die untersuchte Stätte wird nicht nur aus baulichem, sondern auch aus verwaltungstechnischem und rechtsgeschichtlichem Blickwinkel betrachtet, was zu ambivalenten Ergebnissen führt. Dadurch wird deutlich, dass die Ausgangsfragen der Studie nicht beantwortet werden können, und dass der Bischofssitz in Litomyšl auf spezifische Weise zugleich Burg und Kloster war. Die Studie beschreibt und rekonstruiert in erster Linie einen heute erloschenen befestigten Komplex, in zweiter Linie ist sie ein polemischer Text, der typologische Definitionen anhand eines konkreten Beispiels in Frage stellt.



zpět na obsah


Jan Boukal: Hospodářská instrukce jako pramen poznání života na hradech na prahu raného novověku (Na příkladu instrukce pro křivoklátského hejtmana Albrechta z Vřesovic z roku 1528)/ Economic Instruction as a Source of Knowledge of Life in Castles on the Threshold of the Early Modern Period (On the Example of Instruction for Křivoklát Hetman Albrecht of Vřesovice)

(celý článek v PDF)

Abstract: The paper focuses on the question of value of medieval and early modern economic instruction in castellology, and tries to introduce a brief overview of their origins in Czech ambience. A case study follows, focused on the instruction for Křivoklát hetman Albrecht of Vřesovice from 1528. In the instruction, duties of hetmans, burgraves and several other castle officials and servants (such as revenue scribes, cooks, head cooks, bakers, blacksmiths and maltsters) are described in detail. Moreover, the hinterland of the castle and instructions on its maintenance are also mentioned. Despite the fact that the confrontation with other sources shows this instruction was never fully implemented, it represents an interesting insight into the vision of ideal administration and economic running of the castle and it can be considered a unique source for studying everyday life in a castle. The edition of sources is part of the text.

Keywords: castle – economic instruction – the 16th century – everyday life – domain administration

Resumé: Die Studie widmet sich allgemein der Frage, ob mittelalterliche und frühneuzeitliche Wirtschaftsinstruktionen in der Burgenkunde genutzt werden können. Es wird versucht, eine Definition der „Instruktion“ und einen zusammenfassenden Überblick über ihren Ursprung in Böhmen vorzulegen. Die ältesten in der Burgenkunde nutzbaren Instruktionen stammen aus Český Krumlov, Jindřichův Hradec, Hluboká, Potštejn und Pardubice. Eine konkrete Instruktion wird genauer untersucht. Es handelt sich um die Instruktion des Hauptmanns von Křivoklát, Albrechts z Vřesovic, aus dem Jahr 1528, welche dieser auf eigene Bitte hin vom Kronrat erhalten hatte. In der Instruktion werden die Pflichten des Hauptmanns, des Burggrafen und verschiedener Burgbeamter sowie der Dienerschaft (z.B. geistlicher Schreiber, des Kochs, Küchenmeisters, Bäckers, Schmieds, Mälzers) detailliert beschrieben. Bei einem Vergleich mit weiteren Quellen zeigt sich jedoch, dass die untersuchte Instruktion nie vollständig umgesetzt wurde, was sich im katastrophalen Zustand der Burg und des Herrschaftsgebiets widerspiegelte. Trotzdem bietet die Instruktion aus Křivoklát einen interessanten Einblick in die zeitgenössische Idealvorstellung der Burgverwaltung und des wirtschaftlichen Betriebs einer Burg. Sie kann deshalb als einzigartige Quelle für das Studium des Burgalltags betrachtet werden. Hinsichtlich ihrer Aussagekraft ist sie mit der bekannteren Potštejner Instruktion vergleichbar. Teil der Studie ist auch die Edition des Instruktionstexts.



zpět na obsah


Karel Hamberger: Hrad Kynšperk nad Ohří/The Castle of Kynšperk nad Ohří

(celý článek v PDF)

Abstract: Based on evaluation of older building archaeological survey documentation from the Museum of Cheb (1972 – 1974), the paper focuses on the hypothetical building form of Kynšperk nad Ohří castle (Sokolov district). Using the combination of previous evaluation, supplemented by a unique castle description after the Šlik‘s reconstruction, written sources and other available materials, the paper tries to point out the role of Kynšperk castle built on the borderland between the historic Cheb region and the Bohemian region of Sedlecko.

Keywords: Kynšperk nad Ohří – castle – archaeological research – Middle Ages

Resumé: Die vorliegende Artickel beschäftigt sich mit der Burg in Königsberg an der Eger (Kynšperk nad Ohří) im Zussamenhang mit ihrer Lage an der Grenze zwischen zwei mittelalterlichen politischen Einheiten, die Gebiete um Zettlitz (Sedlec) bzw. und später um Elbogen und Egerland. Die bescheiden Burgüberreste befinden sich an einer Schnittstelle von besonderen kastellologischen Region des Reiches Egerland, die durch Ministerialburgen bekannt ist. Das Gebiet, in dem diese Burg gebaut wurde, gehörte historisch dem tschechischen Staates. Man kann nicht vollständig die Möglichkeit der Gründung durch Egerer Ministerialgeschlechts auszuschliessen, mit deren Bewegung in der Region in den späten 12. Jahrhundert gerechnet wurde. Die Kern Passagen befassen sich mit der archäologischen Forschung des Burges, die unter der Leitung von dem Museum in Eger (Cheb) in den Jahren 1972−1974 durchgeführt werden. Diese Ausgrabungen hat im Kernburg einen Teil des Objektgrundrisses aufgedeckt. Dadurch wurde teilweise eine Vorstelung von ihrer Bauform gewonnen. Ein wichtiges Ergebniss dieser archäologischen Grabungen, war die Einnahme der niederigsten Siedungschichten mit Keramikfragmenten von der Wende des 12. und 13. Jahrhunderts, die die Wohnaktivität in diesem Zeitraum belegt. Diese archäologische Situation scheint jedoch nicht mit der Bau der Steinburg zusammenhängen. Mit der Nutzung der ältere archäologische Dokumentation und Aussage der historische Beschreibung der Burg waren drei hypotetische Bauphasen vorstellen. Die erste und älteste Phase ist durch Keramikscherben von der Wende des 12. und 13. Jahrhunderts belegt. Die zweite Bauphase entspricht dem Bau der Steinburg. Bedeutende Bauperiode der Burg in Königsber an der Eger war eine Zeit der Familie Schlick, die im zweiten Quartal des 16. Jahrhunderts die Burg zu einem Hauptsitz umzubauen hat, wie es in einer einzigartigen Beschreibung der Burg aus dieser Zeit steht.



zpět na obsah


Dalibor Janiš – Jan Štětina: Historie a stavební vývoj středověkého hradu a renesančního zámku v Holešově/History and Construction Development of the Medieval Castle and Renaissance Chateau of Holešov

(celý článek v PDF)

Abstract: The study summarizes available information about construction development and history of the predecessors of Holešov chateau – the medieval castle and Renaissance chateau – from the 13th century to the third quarter of the 16th century. The medieval and early modern phases of Holešov have been almost unnoticed by existing literature. Holešov castle is first mentioned in 1300 as a seat of local fiefdom nobility, the most notably of which was the Sternberg family from the 14th until the 16th century. By the turn of the 15th to 16th century, the castle was significantly rebuilt and more construction activity was carried out in the second half of the 16th century, when the late gothic castle was reshaped into a Renaissance chateau.

Keywords: Holešov – Moravia – castles – medieval architecture – feoffs – Sternberg family

Resumé: Im Areal des heutigen Schlosses in Holešov befand sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine Feste. Ihre Existenz wird jedoch nur durch eine Analyse des Stadtbilds belegt. Einen Anhaltspunkt zur Lokalisierung der Feste bietet vor allem der Verlauf der heutigen Straße Dlažánky, bzw. des Platzes Náměstí Svobody, welche aus nördlicher Richtung um das historische Zentrum herumführen. Die Straße endet heute am ehemaligen Areal der Böhmischen Brüder mit der Kirche der heiligen Anna. Ursprünglich verlief sie jedoch weiter in Richtung der Holešover Feste, die sich im nordöstlichen Teil des heutigen Schlosses befand. Gegen Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts hatte sich der Marktflecken Holešov vollständig in eine Stadt verwandelt und ein Bericht aus dem Jahr 1300 deutet an, dass auch aus der Feste eine stärker befestigte Burg entstanden war. Auf die mutmaßliche ovale Grundfläche dieser frühgotischen Burg könnten Fragmente steinernen Mauerwerks hinweisen, die im Graben an der Nordseite in der Nähe eines neueren Versorgungstunnels gefunden wurden. 3 m unter dem Boden des Grabens wurde hier ein komplizierterer Mauerbefund freigelegt. Der Befund entstand in drei Phasen und wird als Relikt einer Außenmauer interpretiert, an deren Innenseite nachträglich ein Objekt angebaut wurde. Archäologische Untersuchungen des Schlosshofs aus dem Jahr 2013 deuten an, dass das offenbar leicht erhöhte Terrain in der Mitte des 17. Jahrhunderts abgesenkt wurde, was für die Konstruktionen der einstigen Burg den definitiven Untergang bedeutete. Auf der Westseite war die Kernburg um eine Vorburg erweitert. Deren Außengrenze ist noch in der Anordnung der Gebäude des barocken Trinitarierareals vor dem heutigen Schloss sichtbar.
Auch im 14. Jahrhundert wurde weitere Bauaktivität ausgeübt. Zu dieser Zeit gehörte das Holešover Lehen Angehörigen des bedeutenden mährischen Geschlechts von Sternberg. Wahrscheinlich erhielt die Kernburg bei einer der näher nicht datierten Umbauarbeiten der Sternberger eine wenigstens zum Teil rechtwinklige Grundfläche. Spätestens im 15. Jahrhundert wurde die Kernburg in südwestliche Richtung erweitert, also in den bestehenden Eingangsbereich des Hofs, gleichzeitig entstand hier ein langer, nicht unterkellerter, einstöckiger Flügel. Dieser befand sich an der Stelle des Arkadengangs des heutigen Westflügels, die Hofmauer des Eingangsflügels des heutigen Schlosses enthält bis heute seine Überreste. In der gegenüberliegenden, nordöstlichen Ecke legten archäologische Untersuchungen das Fundament eines Teils eines rechteckigen Gebäudes (spät)mittelalterlichen Ursprungs frei, in dessen Nähe sich auf das 14. und 15. Jahrhundert datierbare Funde häuften. Die Holešover Burg war im späten 14. und im 15. Jahrhundert ein weitläufiges und wohl auch gut befestigtes Objekt, wenn wir in Betracht ziehen, dass sie in den 50. und 60. Jahren des 15. Jahrhunderts einem der größten zeitgenössischen Krieger Zuflucht bot – Matouš von Sternberg.
Weitere wichtige Veränderungen geschahen gegen Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts, als die Sternberger monumentale Umbauarbeiten begannen, die sich insbesondere auf die Erweiterung des Wohnbereichs der Burg konzentrierten. Um das Jahr 1500 wurde vor dem alten Palas an der Westseite der Burg, also in Richtung des Ringgrabens, ein großzügiger, zweiflügliger und fast komplett unterkellerter Palastbau errichtet – heute der Eingangsflügel des Schlosses auf der Westseite. Im nördlichen Seitenflügel dieses Palasts ist im Untergeschoss der Teil eines mächtigen Tonnengewölbes erhalten. Die Datierung des neu erbauten Palasts in die Zeit um das Jahr 1500 ermöglicht insbesondere ein im Keller erhaltenes, breites Sandsteinportal mit segmentiertem Sturz und profilierter abgeschmiegter Kante. Das zweite Detail, welches darauf hinweist, dass der Nordflügel wenigstens zweistöckig war, ist der abgeschmiegte Pfeiler einer Fensterwandung, der in der Höhe des zweiten Stocks an der Nordfassade des Schlosses freigelegt wurde. Die Außenseite des neuen Palasts wurde offensichtlich von Pfeilern ergänzt und ein gewölbter Erker trat auf Höhe des ersten Stocks aus der Westfassade hervor. In der Nähe der südöstlichen Palastecke entstand ebenso ein neuer, großzügiger, viereckiger, eventuell turmartiger Anbau, der aus der Ebene der Palastfassade bis in den südlichen Teil des Ringgrabens hervortrat. Aus der westlichen, äußeren Fassade des Palasts trat ein großzügiger unterkellerter Flügel hervor, von dem bis heute der westliche, abschließende Raum mit Tonnengewölbe erhalten ist. Die Kernburg bestand am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit aus einer Mischung aus wohl älteren, weiterbestehenden Gebäuden im nördlichen Teil und einem mächtigen Palastkomplex im Westen.
Die Bauaktivitäten in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden von den letzten Angehörigen der Sternberger in Holešov durchgeführt und standen den vorausgegangenen, spätgotischen Eingriffen in Ausmaß und Qualität nicht nach. Die Dominante des Sitzes bildeten weiterhin die beiden mächtigen Trakte der zweistöckigen Palastgebäude am Westrand des Hofs. Archäologische Untersuchungen aus dem Jahr 2013 belegen in der südwestlichen Ecke des Hofs die Existenz eines Renaissanceanbaus, der innen mit einer Wendeltreppe ausgestattet war. Der Anbau schloss mit seinem subtileren Mauerwerk an den spätmittelalterlichen Hoftrakt des westlichen Palasts mit Tonnengewölberäumen im untersten Stockwerk an. Unter dem Hof verlief ein geziegelter Gang mit Tonnengewölbe vom Westflügel des Palasts zu näher nicht bekannten Untergeschossen unter dem nördlichen oder nordöstlichen Teil des Renaissanceschlosses. Die Schlosssilhouette wurde in der westlichen Ecke durch einen Turm mit sechseckiger Grundfläche bereichert. Aus Quellen aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts wissen wir auch über die Existenz eines „großen Turms“, mit dem z.B. das viereckige, turmartige Risalit zwischen dem südlichen und westlichen Flügel gemeint sein könnte. Das Renaissanceschloss erfuhr am Ende des 16. Jahrhunderts auch unter seinen nächsten Eigentümern, dem Geschlecht Žerotín (1589–1604), weitere Veränderungen. Den Lobkowitzern gelang es, noch vor dem Ständeaufstand weitere Umbauarbeiten zu realisieren. Die darauffolgenden dramatischen Ereignisse des 30-jährigen Kriegs bedeuteten für das Schloss nur Verfall, welcher in mehrfachen Plünderungen und der Niederbrennung des Schlosses durch das schwedische Heer im Jahr 1643 gipfelte.